Von Schneeflöckchen und Schneeleoparden

Eine Woche Schneeschuhwandern in und um Obernberg am Brenner

Zwei Gruppen hatte uns der Reiseleiter Holger Heitmann versprochen, eine moderate und eine fordernde, je nach Können. Eine Teilnehmerin fasste es so zusammen:„Es gab schon zwei Gruppen, aber ich würde die eine als anspruchsvoll und die andere als sehr anspruchsvoll bezeichnen!“

Auf- und Abstiege waren für einige überraschend steil. Aber schließlich waren wir ja in den richtigen Bergen und nicht im norddeutschen Flachland. Wir wanderten täglich vier bis sechs Stunden und freuten uns anschließend auf die Dusche, die Sauna, den Apfelstrudel und andere Köstlichkeiten, die die Gruppe in „Almi’s Berghotel“ erwarteten. Es war eine „Mega-mit-fünf-A-wie-5-Sterne“-Woche, jubilierte eine Teilnehmerin. Und das hatte Gründe. Der erste war die von Holger klug zusammengesetzte Gruppe. „Die Gruppe war ganz fantastisch. Kein Mensch, mit dem ich nicht aufs Matterhorn steigen würde, wenn ich aufs Matterhorn steigen würde“, sagte einer und so ging es allen: 20 Menschen hatten es sieben Tage lang in unterschiedlichen Konstellationen beim Zugfahren, Essen, Trinken, Wandern, Saunieren und Kartenspielen gut miteinander, führten interessante Gespräche, lachten viel, halfen einander und teilten Proviant und Freude über Schneelandschaften mit fantastischen Panoramen.

Für alle war auch das Gehen mit Schneeschuhen eine interessante bis spannende Erfahrung. Viele waren zum ersten Mal auf diesen ungewöhnlichen „Geräten“ unterwegs und überrascht, wie sicher sich auf ihnen selbst steile An- und Abstiege und glatte Eisflächen bewältigen ließen. Und natürlich: „Almi’s Berghotel“. In einem ruhigen Tal fast ohne Verkehr und fernab vom Skizirkus gelegen, genossen alle die hervorragende und liebevoll zubereitete Verpflegung, die familiäre Atmosphäre, den „Après-Schuh“ mit den Wirtsleuten und die Panoramasauna mit ihren spektakulären Aufgüssen nebst anschließendem „Abwachteln“ (tirolerisch für: Mit dem Handtuch Luft zu gefächert bekommen). Außerdem war die gesamte Reise großartig organisiert.

Insgesamt wurden fünf Wanderungen unternommen. Die erste führte die Gruppe gemeinsam über ca. 400 Höhenmeter von Obernberg zur Steiner Alm und über den Kaserwald zurück zum Hotel. Dieser Tag diente der Selbsteinschätzung für die Einteilung in die richtige Gruppe für die folgenden Touren.

Am zweiten Tag fuhren alle zusammen mit dem Bus zum Almgasthof Waldesruh und liefen von dort über einen Forstweg zur Kastner Bergalm.  anschließend wanderten die Schneeleoparden, bestehend aus vier Personen plus Bergführer, weiter zum Trunajoch, während die Schneeflöckchen einen Teil des Panoramaweges gingen. Beide Gruppen mussten ziemlich steil zum Hotel absteigen, die Schneeflöckchen hatten insgesamt ca. 300 Höhenmeter zu bewältigen, die Schneeleoparden 800.

Die Wanderung am Mittwoch führte über einen Forstweg parallel zum Fluss ins Fradertal. Über lange Schneefelder erreichten alle den Hochleger. Von dort stiegen die Schneeleoparden noch weiter bis zum Flachjoch auf, beide Gruppen gingen auf der anderen Seite des Flusses über die Fraderalm zurück.

Am Donnerstag ging es mit dem Bus bis zu einem Parkplatz am Fuß der Sattelbergalm. Gemeinsam wurde etwa 400 Höhenmeter über eine Skipiste zur Alm aufgestiegen, wo sich drei Gruppen bildeten: Die Schokotrinker bewegten sich nur vom Tisch bis zum Tresen und zurück, die Schneeflöckchen liefen noch eine Runde bis zur italienischen Grenze und die mittlerweile gewachsene Gruppe der Schneeleoparden stieg weitere 500 Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz des Sattelbergs auf.

Am letzten Tag blieb die gesamte Gruppe zusammen und wurde freundlicherweise vom Hotelpersonal mit Autos bis zum Kloster Maria Waldrast gefahren, um von dort bei herrlichstem Sonnenschein zum Waldraster Jöchl etwa 300 Höhenmeter aufzusteigen. Zurück ging es über einen Forstweg zur letzten Einkehr auf der Ochser Alm.

Text: Kathrin Fischer